Lesefahrt nach Bielefeld

(c) Stadtbibliothek Bielefeld/Pagenberg

Meine längste Lesefahrt bisher, dicht gefolgt von der Reise nach Erfurt drei Wochen zuvor. Ein wunderbarer Abend war das, in der liebevoll ganz neu eingerichteten Stadtbibliothek. Die offene Lesebühne mitten im Erdgeschoss, auch für draußen Vorüberflanierende gut einsehbar, hat mir sehr gut gefallen, ebenso die völlig bücherfreie und trotzdem höchst einladende Lounge, die vielen frei zugänglichen Rechner und der Zeitungslesetisch in entsprechend großer Ausführung. Ein guter Ort zum Lesen. Und gelesen werden.

Kürzlich war ich in Bielefeld. Gestern, genaugenommen. Ich war eingeladen, in der niegelnagelneuen Stadtbibliothek zu lesen, und zwar in der Reihe „1000 Zungen, Sprachen und Literaturen der Welt“.

555 km lang war ich durch Nebel und Niesel gefahren, silberne Autos auf silbernem Asphalt, silberne Nieselschweife hinter sich herziehend – überholen Kamikaze.

555 km lang Wetterbericht und Verkehrs-nachrichten, Unwetterwarnungen für den Landstrich, den ich eben verließ. Mit Schaudern zwölf Kilometer Stau vor Stuttgart erblickt, genau dort, wo mich meine Heimreise entlangführen würde – Strecke über Ulm bei dieser Wetterlage kaum angeraten.

70 ct kostet Pinkeln neuerdings, Parkplatz „Letzter Heller“ allerdings keine Alternative, weil „Closed for Reinigungsarbeiten“, anscheinend benötigt man für dererlei Tätigkeiten Overall und Mundschutz.

So eine Lesefahrt, Stippvisite im ganz Anderen, neue Städte im Kurzbesuch, Reisen, wie ich es überhaupt nicht gewohnt bin, obwohl ich, wenn ich es recht erinnere, mit dem ersten Auto damals ganze Länder bereiste, ohne auch nur einmal auszusteigen, Metropolen von der Umgehungsstraße aus bewunken, zum Beispiel Mailand.

Bielefeld gestern nicht ergoogelt gehabt, darum keinerlei Wissen über Größe, Lage, Einwohnerzahl. Aufgetaucht ist es aus dem Nebel, der über die A2 gekrochen war, umwaldet und groß. Viel größer als gedacht. Und viel schöner. Winzige kleine Häuschen mitten in der Stadt, kleine Villen mit kleinen und großen Gärten darum, und überall dieser Wald. Teutoburger Wald quer durch die Innenstadt, unwillkürlich denkt man an die Gerippe niemals begrabener Soldaten, 2000 und 3 Jahre ist das her.

Am nächsten Morgen im Radio: Schneebruch an der Steige, Steige gesperrt, eigentlich alle Steigen, wegen querstehender LKWs (oder Schneebruch) – unvorstellbar, wo doch tags zuvor noch alles grün gewesen war. Sogar Mössingen fand Erwähnung, im Zusammenhang mit irgendeinem Stau auf der B27. Enorm.

554 km lang gespannte Fahrt durch Nebel und Niesel, und einen einzigen schließlich durch Schneematsch, bei 3 Grad plus, das gibt Glatteis in der Nacht, prophezeie ich jetzt, vom warmen Sofa aus.

Schön wars in Bielefeld, und Dank noch einmal an das ganze Team vor Ort, an die Gastgeber, das Publikum (!) und an den Pianisten, der den Abend so schön musikalisch umrahmt hat. Bilder folgen! sind hier, in der Bildergalerie der Stadtbibliothek Bielefeld.

 

 

 


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