Lesefahrt Klosterhof

„Lesung, 19:30 Uhr im Dorment des Klosters“, so stand’s in den Ankündigungen für meine gestrige Lesefahrt nach Blaubeuren geschrieben. Was lediglich nach einem Veranstaltungsraum klingt, der offenbar in einem Kloster untergebracht ist, ist in Wahrheit vor rund 24 Jahren mein Lebens- und Wohnort gewesen: Nur wenige Meter von der Lesebühne entfernt die Türen zu meinen ehemaligen Arbeitszimmern, der Weg hinein ins Dorment führt vorbei am Speisesaal, der noch immer genau so riecht wie früher.

Überhaupt Gerüche.

So alte Gebäude wie das Kloster Blaubeuren, die ändern sich nicht, auch wenn die Hausmeister wechseln und mit ihnen womöglich die Putzmittel, da kann das Bohnerwachs öko sein oder nicht, die Gänge und Arbeitszimmer, sie behalten ihren spezifischen Geruch, und sorgen dafür, dass zwanzig vergangene Jahre auf einen Zeitraum schrumpfen, der sich anfühlt wie „letzte Woche zuletzt hier gewesen“, die Lesebühne am selben Ort wie immer schon, mit demselben Blick das Dorment entlang – das tut sein Übriges.

Vorher im nasskalt durchgepusteten Blaubeuren das erste Mal an die Scheibe eines eigentlich geschlossenen Buchladens geklopft und freundlich eingelassen worden, Martin Gaiser vom Bücherpunkt Blaubeuren hatte mich eingeladen und gab mir ein Dach über dem Kopf für die Zeit, die ich zu früh war.
Seit anderthalb Jahren führt er den Laden nun schon, zusammen mit Irena Bohovic, ich erinnere mich nur noch dunkel, wie es früher ausgesehen hat dort, bei meiner letzten Lesung vor zwei Jahren, und vor fast fünfundzwanzig Jahren, als ich nur ab und zu genügend Geld hatte, um mir Bücher wirklich zu kaufen, toll ist er geworden, hell und hervorragend sortiert, die Blaubeurer können sich glücklich schätzen, eine solche Buchhandlung vor Ort zu haben, selbstverständlich auch mit online-Shop und kostenloser Lieferung.

So unwirklich es ist, durch eine nächtliche, ehemals sehr vertraute Stadt zu fahren, so schön ist es dann, so viele vertraute Gesichter bei der Lesung zu sehen, in den vollbesetzten Reihen die ehemaligen Lehrer*innen und ihre Familien, und all die Wegbegleiter*innen, und in den letzten Reihen, wie früher schon, die Seminarist*innen.
Wir damals hätten Strickzeug auf dem Schoß gehabt und die Veranstaltung mit geschäftigem Geklapper bereichert, so wie wir das auch während der Schulstunden gemacht haben, und einmal aus einem Gerichtssaal, den wir für eine Lehreinheit in Religion betreten hatten, deswegen rausgeworfen wurden. Socken zu stricken habe ich wohl im wesentlichen im Lateinunterricht gelernt.

Dank für diesen schönen Leseabend gilt neben Martin Gaiser natürlich der Schulleitung, Ephorus Henning Pleitner, den vielen tollen Gästen, und Schüler*innen, Hausmeister und Lehrern, die für Technik, Bestuhlung und Bewirtung gesorgt haben: vielen vielen Dank!

[Bilder folgen noch, ich muss erst noch herausfinden, wer welche gemacht hat.]

 

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