was es bei amazon nicht gibt, gibt es nirgends

LieferzeitraumIm Augenblick hat SUNA beim bekannten online-Portal 5 bis 9 Tage Lieferzeit. Dabei hat der Verlag genügend Exemplare gedruckt, es wird nach wie vor nachgefragt, und auch sonst gibt es keinen Grund für die lange Frist.

Aber: amazon befindet sich mit verschiedenen Verlagsgruppen in Verhandlungen über neue Konditionen, und versucht, Druck auf die Verlage auszuüben, indem die Auslieferung von Titeln verzögert wird, bzw. ältere Titel nicht mehr automatisch nachbezogen werden.

Das sieht auf den ersten Blick dann so aus, als würden die Verlage ihr Angebot langsam ausdünnen, und der Kunde, der in den letzten Jahren gelernt hat, „was es bei amazon nicht gibt, gibt es nirgends“, der bekommt den Eindruck, das jeweilige Buch wäre gar nicht mehr im Handel.

Fatal: natürlich schauen Autoren nach dem Verkaufsrang, weil in vielen Häusern keine Zahlen gehandelt werden, weil man sich jede Verkaufszahl mühsam ermailen muss, es gibt nur einmal im Jahr eine Abrechnung etc. Da ist es natürlich einfach, bei amazon zu sehen, wo das Buch steht. Auch wenn es ein Mysterium ist, nach welchen Kriterien der Verkaufsrang überhaupt errechnet wird. Natürlich wird einem mulmig, wenn man sieht, das Buch ist nicht lieferbar und der VK-Rang stürzt ab. Das Kalkül: Autoren verunsichern, und ihnen dann scheinbar attraktivere Konditionen bieten.

Aber: der stationäre Handel besorgt SUNA nach wie vor zum nächsten Tag, bzw. hat es ohnehin im Regal stehen. Auch in den angeschlossenen online-Shops ist das Buch über Nacht lieferbar, ebenso bei osiander.de und all den anderen Händlern.

Nur nicht bei amazon.

Liebe Verlage. Bleibt standhaft. Wir haben eine Preisbindung in Deutschland. Wir haben ein engmaschiges Händlernetz. Ihr habt nicht nur 1 Vertragspartner, sondern 5.000. Ihr seid nicht auf amazon angewiesen. Lasst Euch nicht erpressen, sondern sucht den Schulterschluss zu jeder einzelnen Buchhandlung. Die Erfahrungen mit dem ein oder anderen Scheinriesen und die Schließungen derselben Flächen in den letzten Jahren sollten lehrreich genug gewesen sein.

Liebe Buchhandlungen. Macht.Euer.Angebot.online.sichtbar. So schwer ist das nicht. Immer mehr Eurer Kunden haben ein tablet, die meisten ein smartphone. Vor allem die Älteren! Lasst Euch Eure Hauptzielgruppe nicht durch die Lappen gehen, indem ihr ausschließlich auf einen Laden setzt. Der evtl. nur mit Auto oder eben nicht mit dem Auto erreichbar ist. Der Öffnungszeiten hat, zu denen alle anderen ebenfalls arbeiten. Leser*innen sterben nicht aus. Aber wenn die Wäscherinnen nicht mehr zum Fluss wandern, weil jede eine Waschmaschine zuhause hat, dann müssen die Seifenverkaufsstände am Wegesrand notwendigerweise umziehen. Gewaschen wird aber immer noch. Nur nicht mehr am Fluss.

Liebe Leser*innen. Bitte kauft unsere Bücher lokal. Online, offline, egal. Es sind die Buchhandlungen, von denen wir Autor*innen leben, wir brauchen möglichst viele davon, um nennenswerte Stückzahlen absetzen zu können, wir brauchen jede*n einzelne*n Buchhändler*in als Multiplikator*in. Das ist so. Wir brauchen sie als Veranstalter*innen. Wir brauchen sie als Partner*innen.

Was es bei amazon nicht gibt, gibt es nirgends?

Nein!

Was es bei amazon nicht gibt, gibt es überall anders. (und ja, ich weiß, dass das nicht für fremdsprachige Titel gilt, aber davon rede ich ja auch nicht.)

 

10 Gedanken zu “was es bei amazon nicht gibt, gibt es nirgends

  1. Leonie B.

    Ich fände es sehr begrüßenswert, wenn „die Verlage“ endlich die E-Versionen der Bücher auch deutlich billiger machen würden als die Printexemplare. Das ist nämlich – soviel ich gelesen habe – der Kern des Streits bzw. das Anliegen von Amazon (wie auch vieler EBook-Leser). Die Preisbindung stünde dem auch gar nicht entgegen!

    Ansonsten ist das Amazon-Bashing zumindest heuchlerisch. Schließlich haben auch deutsche Größabnehmer immer schon Sonderkonditionen „erpresst“. Da war und blieb der Protest aber sehr verhalten,

    1. Pia Ziefle Artikel Autor

      Liebe Leonie,
      nein, das ist nicht Kern des Streits. Ein Punkt sind die Prozente, die amazon als Händler gerne für sich behalten würde vom eBook-Preis, den der Kunde bezahlt. Da wollen sie, so liest man, nicht mehr 30%, sondern 50% für sich.
      Wie hoch der Preis ist, ist erst einmal zweitrangig für diese Auseinandersetzung. Ja, ich finde auch, dass eBooks gegenüber einer Printausgabe günstiger sein sollten, aber da hat sich inwzischen ein dermaßen hungriger Zwischenmarkt hineingequetscht, dass es beinahe wieder günstiger ist, zu drucken, statt die erheblichen Lizenzgebühren zu bezahlen, die all die Leute am Wegesrand (zwischen Worddokument und eBookerhältlichkeit) erheben.

      und der andere Punkt: natürlich gab es erheblichen Protest als herauskam, das die großen Ketten die Hände so weit aufhalten, dass ganze Weltmeere hineinpassen würden. Für uns Autoren ist das alles großer großer Mist, weil wir dadurch teurer und teurer werden, obowhl wir nicht einen Cent mehr Vorschuss bekommen. Wohl aber jener Handel, der sich noch den letzten Beistelltisch bezahlen lassen würde.
      Amazon hat die Schraube eindeutig zu weit gedreht, und sie haben hier in Deutschland eine Sondersituation, durch die Buchpreisbindung. Hier haben wir die Chance, nicht einknicken zu müssen, weil ich hoffe, die Verlage haben eben durch genau jene Rabattverhandlungen, die du erwähnt hast, etwas gelernt.

  2. Susanne Gurschler

    Liebe Pia,
    du sprichst mir aus der Seele. Zwar ist mein Buch „Panorama der ‚Schlacht am Bergisel‘. Die Geschichte des Innsbrucker Riesenrundgemäldes“ ein Sachbuch und sicher eines für eine relativ enge Interessentengruppe, aber dass amazon seit Wochen „behauptet“, es sei „Derzeit nicht verfügbar“ ist einfach nicht wahr. Es ist lieferbar. Aber wenn amazon behauptet, es sei nicht verfügbar, dann …

  3. Toc6

    In wie weit können Verlage eigentlich mitbestimmen? Ich meine: Könnten Verlage denn Amazon boykottieren, insofern sie wollten? Insofern ein großer Verlag das täte, würde der Schuss für Amazon nämlich nach hinten losgehen. Dann würde jeder spitz kriegen: „Verlag XYZ is nimmer bei Amazon vertreten“ – und auf einmal gäbe es doch, was es bei Amazon nicht gibt.

  4. Ray Cohen

    Ich sehe das anders, die Autoren sind das Problem. Die lassen sich mit ein paar Prozent abspeisen und der Verlag bekommt die meiste Kohle. Da muss der Preis natürlich hochgehalten werden damit sich der Autor noch ein Knäckebrot kaufen kann.

    Würden die Autoren mehr Prozente verlangen und nach dem ersten Erfolg selber veröffentlichen und Lektorat und Marketing als Dienstleistungen selbst einkaufen wären alle besser dran.

    1. Pia Ziefle Artikel Autor

      Sicher könnten Autoren verhandeln. Tun sie ja auch.
      Aber es ist ein Irrtum zu glauben, der Verlag bekäme die meiste Kohle. Schau dir eine Buchkalkulation an, dann sprechen wir noch einmal darüber.

  5. Andre

    Amazon ist generell nur mittelmäßig gut für Kunden, das Problem ist das der Rest schlechter ist.

    z.B. Thalia, da wollte ich letzte Woche ein Buch online via Smartphone bestellen und mitten in der Suche poppte ein Kreuzfahrtgewinnspiel auf welches sich auf dem Handy nur schwer schliessen liess..
    Ein anderer Online-Shop mit extrem umständlicher Registrierung antwortet auf meinen Hinweis, dass ich in anderen Onlineshops ohne Registrierung per PayPal bezahlen kann und dort meine Kontaktdaten direkt von PayPal übernommen werden, mit “den anderen Kunden gefällt das so“.

    Hier auf deiner Seite sind deine Bücher überhaupt nicht mit einem (guten) Onlinehändler verlinkt. D.h. ich müsste mir für die Bestellung dein Buch erst bei einem Buchhändler selber suchen. – ganz kurz geträumt: die Verlinkung würde automatisch zum Buchhändler um die Ecke des Besuchers führen.

    Deine Vorschaulinks zu den Büchern sind auch verbesserungswürdig. Der eine ist kaputt und der führt zu einer Flashseite, was von den meisten mobilen Geräten nicht unterstützt wird. Immerhin kann man eigenständig auf eine HTML5 Seite wechseln.

    Zusammenfassung Buchbranche: Amazon ist mittelmäßig, der Rest ist schlechter.

    Anstatt euren Kunden vorzuwerfen das sie nur bei Amazon schauen solltet ihr (Autoren, Verlage, Buchhändler) erstmal eure Hausaufgaben machen.

    1. Pia Ziefle Artikel Autor

      Links zum Laden um die Ecke fände ich ebenfalls hervorragend!
      Ich meine, ich hätte über eine solche App gelesen, ich suche mal.
      Nach den Links schaue ich, eigentlich sollten sie auch mobil funktionieren. Danke dir für deine Hinweise.

  6. Pingback: Autor*innen für einen fairen Buchmarkt | Pia Ziefle | Autorin

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