Obstsalat für 69 Euro

„69 Euro für einen Obstsalat“, so lese ich im Schaukasten vor dem Hotel, das ich mir – zum ersten Mal auf einer Lesefahrt – selber* im Internet ausgesucht hatte, und schon sinkt mir das Herz in die Hose, 69 Euro, das ist kein Pappenstiel, schon gar nicht für ein Ananasmischgericht, womöglich aus der Dose.
*meistens haben Veranstalter*innen oder der Verlag gewisse Zimmer in gewissen Häusern für ihre Lesenden, auch da erlebt man zuweilen Abenteuer, die dann für die berühmten „Lesereisenerzählungen“ herhalten müssen, die in fast allen Schriftstellerbiografien irgendwann kommen.

Genaueres Hinsehen fügt den 69 Euro noch eine Übernachtung hinzu, ein Frühstück, Parkplätze auf dem Innenhof und die unvermeidlichen Fitnessgeräte im Keller des Hauses. Drinnen dann; sehr nette Atmosphäre, sehr nettes Personal, äußerst nettes, übrigens, ein Aufzug mit Glastür aus den Vierzigern und Teppich mit Brokatblumenmuster an den Wänden (sowas liebe ich ja, Teppich im Aufzug an den Wänden), sehr nettes Zimmer, sehr gemütliches Bett, flüssiges Wasser in der Dusche und sehr angenehme Duschseife, das ist beileibe nicht immer so.

Gereist bin ich diesmal nach Karlsruhe, das so viele Baustellen in der Innenstadt hat, man könnte glatt meinen, da würde eine U-Bahn gebaut.

Warum Karlsruhe? Weil Señor Rolando mich eingeladen hat, eine Art Dauereinladung war das, schon seit dem ersten Buch. Er hat ein tolles Cafe gefunden, wie gemacht für Lesungen, es gab dort mir bisher unbekannte Freizeitgetränke ohne Alkohol, leckere Kuchen, leckeres Sandwich, und vor allem: tolles Publikum – ganz herzlichen Dank an Euch alle, die Ihr zugehört habt!
An dieser Stelle danke ich außerdem besonders dem Förderverein der Schriftsteller in Baden-Württemberg, der nicht nur eine meiner Schreibphasen für das Buch stipendiert, sondern auch die Lesung unterstützt hat, das ist eine nicht unerhebliche Hilfe, damit solche Abende überhaupt stattfinden können.

Nicht vergessen werden soll außerdem die Buchhandlung, die einen reichhaltigen Büchertisch gedeckt hatte, sowohl beide Bücher dabei hatte, als auch Prospekte, Magazine und Kugelschreiber, und eine sehr engagierte Mitarbeiterin an den Start geschickt hatte. Sie beschrieb ihre Buchhandlung und das Sortiment, und lieferte mir so meinen Verhörer des Abends – aber ich halte in Städten ja vieles für möglich: „Im EG haben wir die Belletristik, und oben führen wir Yoga.“ Überzeugen Sie sich, gemeint war Jura.

Ach so, ja: Zum Frühstück am nächsten Morgen dann gab es tatsächlich Obstsalat: frisch geschnibbelt.

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