Hier sind die Väter (3) – Claus

Mein Dank für den heutigen Beitrag geht an Claus, der sehr offen über seine eigene Familiensituation spricht, aber auch darüber, was er so um sich herum beobachten kann.
„Eigentlich finde ich die Fragen über Väter in Deinem Blog zu schwer, um darauf mal so schnell zu antworten“, schreibt er mir. „Ich versuche es dennoch“, sagt er dann zum Glück, und startet mit einer wichtigen Prämisse, die ab und an in der Debatte ein bisschen untergeht, nämlich „dass es die Väter so nicht gibt, genau so wenig wie die Mütter. Ich kenne solche und solche – und dann auch noch ganz andere!“

Er selbst hat zwei Kinder, die bei der Mutter leben, von der er schon länger getrennt ist. Er ist berufstätig, dieser Beruf hat jedoch einen ungewöhnlichen Aspekt: „Er macht es möglich, etwa drei Monate im Jahr Home-Office zu machen. In dieser Zeit bin ich zu ~ 100 % für die Kinder zuständig.“
Seinen Hauptbeitrag für die Familie sieht er aufgrund der Familienlogistik dennoch im Finanziellen, denn er schreibt: „Von meinem Einkommen geht der allergrößte Teil an die Kinder.“

Meine 10 Fragen beantwortet er so:

(1) Steigen Väter tatsächlich nicht mit ins Eltern-Boot?

Doch. Ich denke, die allermeisten schon, unbedingt. Aber Väter sehen häufig – manchmal aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen, manchmal aufgrund eigener Vorstellungen, manchmal wegen der Finanzen, manchmal aus vielleicht völlig anderen Gründen – das Eltern-Boot anders als viele Mütter.

(2) Lassen Mütter Väter nicht mit einsteigen?

Kann ich so pauschal nicht beantworten. Ich kenne Beispiele, wo das zutrifft (Klammer-Mütter, die vor allem erwarten, dass der Mann das Geld nach Hause bringt und sich ansonsten raus hält) und andere, wo das nicht zutrifft (wo die Frau sich wünscht, dass der Vater präsenter wäre). Auch Beispiele, wo der Vater voll mit im Boot sitzt, kenne ich.

Und dann kenne ich wirklich viele Fälle, in denen der Vater voll einsteigen will – die Vorstellungen der Mutter aber so dominant sind, dass der Vater sich nach einigen gescheiterten Versuchen des Einbringens frustriert wieder zurückzieht.

Darauf pauschale Vorwürfe (http://www.piaziefle.de/wo-sind-eigentlich-die-vaeter/#comment-20696) zu formulieren trägt sicherlich wenig zu einer Kommunikation zwischen den Geschlechtern und zu einer Besserung der Situation bei.

(3) Ist es die Erwerbsarbeit, die Vätern schwer bis unmöglich macht, Vater zu sein?

Auch. Ich glaube aber (aus meinen Erfahrungen und Beobachtungen heraus), mehr als der Erwerbsarbeitsdruck ist es die gesellschaftliche Erwartungshaltung  und auch die Erwartungshaltung von sehr vielen Müttern: Ich kenne viele Väter, die von dem Anspruch an Väter zerrissen werden. Weil sie einerseits verständnis- und liebevolle Väter, liebevolle und gleichzeitig starke beschützende Ehemänner und außerdem im Beruf stark und erfolgreich sein müssen.

Und weil sie sich – im Gegensatz zu Frauen, bei denen ein Eingeständnis von Unsicherheiten oder gar Schwächen nicht zum gesellschaftlichen Ruin führt – keine Schwächen leisten dürfen. Bzw. wenn sie sich welche leisten, gehen sie das sehr reelle Risiko ein, beruflich (von dem Arbeitgeber) und als Liebhaber (von der Partnerin) aussortiert zu werden.

Jede/r, die/der mehr Zeit der Väter für Familie einfordert, kann sich ja mal selber beobachten: Ich behaupte, die allermeisten (vielleicht sogar besonders die Mütter) sehen vor allem den Mann in der Verantwortung, Geld für die Familie zu verdienen. Zumindest in meinem Umfeld trifft dies immer noch zu.

Sobald man darüber spricht, wird natürlich jede/r sagen: “Ich würde mir wünschen, dass der Vater auch Elternzeit nehmen kann.” Aber Tatsache ist, dass in den allermeisten Fällen der Vater den besser bezahlten Job hat. Gründe dafür, und ob das gut so ist, stehen auf einem ganz anderen Blatt. Aber daraus ergibt sich nun mal in vielen Fällen fast automatisch, dass die Mutter in der Mutterrolle bestärkt wird und der Vater in die Ernährerrolle gedrängt wird.

Die Gesellschaft wandelt sich in Bezug hierauf, und das ist gut so. Aber zu erwarten, dass innerhalb von ein oder zwei Generationen Rollenmuster, die über Jahrtausende gewachsen und gefestigt sind, komplett über Bord geworfen werden können, ist unrealistisch. Und einigermaßen wenig zielführend ist es, den heutigen Vätern die Schuld an der Situation zu geben (http://www.piaziefle.de/wo-sind-eigentlich-die-vaeter/#comment-20696), wie es leider immer wieder vor allem von Frauen getan wird – natürlich längst nicht allen Frauen, aber eben doch einigen, die in der öffentlichen Diskussion sehr laut auftreten.

(4) Wie sehen Väter sich selbst in ihrer Rolle als Vater?

Und

(5) Wo sehen Väter ihren Beitrag zur Familie?

Ich möchte gerne meinen Kindern bestmögliche Startvoraussetzungen mitgeben. Im Moment sind das vor allem Bildungsmöglichkeiten und, phasenweise, gemeinsame Zeit, und es ist mir wichtig, in Gesprächen Wertevorstellungen zu vermitteln. Ich möchte, dass die Kinder Vertrauen in sich und auch in die Familie (so zerrissen sie auch ist) haben können, und ich möchte ihnen helfen, dies zu entwickeln.

Ansonsten: Ich kann die Kinder nicht formen, sondern nur ihnen helfen, Möglichkeiten zu entdecken und zu verwirklichen. Und ich kann nichts von den Kindern erwarten, nur hoffen, dass sie – irgendwann – anerkennen, dass alles, was ich tue, von mir im besten Glauben getan wird, damit langfristig das Beste für sie zu tun.

Und wenn das zu abgehoben klingt: Der Hauptbeitrag von mir als Vater im Alltag bleibt finanziell.

(8) Was tragen Väter dazu bei, dass sich ihre Vorstellungen erfüllen?

Und

(9) Wie stark empfinden Väter Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem (Vater-)Leben – und was trägt positiv dazu bei?

Ich schildere meinen Versuch, Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen, am Beispiel Finanzen, Elternzeit: Bei meinem jüngeren Sohn hatte ich Elternzeit beantragt, da war das ganz neu. So neu, dass noch nicht mal richtig klar war, wie viel Geld am Ende rauskommen würde, weil es noch keine Berechnungstabellen usw dafür gab. Beantragung für zwei Monate, das war das maximal Mögliche. Ziel: mehr Zeit für die Familie zu haben. Die Firma sagte zu mir: “Kannst Du machen, müssen wir ja bewilligen. Aber wenn das auf Kosten des Umsatzes Deiner Gruppe geht, dann viel Spaß bei der Suche nach einem neuen Job.” Also hab ich für die zwei Monate auf 50 % reduziert, um zumindest das Wichtigste bearbeiten zu können. Eine zusätzliche Kraft o.ä., um die Sachen zu übernehmen die ich in der Zeit nicht machen konnte, gab es natürlich nicht. Was dann also so aussah, dass ich manchmal tatsächlich keine 100 % gearbeitet habe. Aber natürlich immer viel mehr als 50 % (in unbezahlten Überstunden).

Außerdem habe ich, dafür ging der Großteil der 50 % Elternzeit drauf, ungefähr 50 Millionen Seiten Papier ausgefüllt für das versprochene Elterngeld. Aber da ich ja zu 50 % beschäftigt war, also auch 50 % Gehalt bekam, führte das dann dazu, dass ich am Ende ungefähr 3,95 EURO Elterngeld pro Monat bekam. Die auch noch versteuert werden mussten, weiterer Papierkram.

Fazit für mich: Das Elterngeld ist eine riesengroße Bürokratiemaschine, welches vor allem als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Sachbearbeiter in Behörden und als Wir-wollen-mal-was-für-Familien-tun Werbemaßnahme von Politikern wirkt. Mir als Vater hat es außer viel Papierkram und Ärger nichts gebracht. Inzwischen wurde das Elterngeld nachgebessert – keine Ahnung, ob es nun wirklich besser ist.

Zeit mit den Kindern: Ja, sehr sinnvoll, sehr wünschenswert. Aber im Alltag, ach.

Was trägt positiv bei? Verständnis auf allen Seiten. Zuhören. Reden.

(10) Würde die Mutter der Kinder ähnliche Antworten geben?

Kann ich nicht sicher sagen. Vermutlich an den meisten Punkten ja.

Noch mehr Väter lesen? Hier:

Hier sind die Väter (1) – Christian

Hier sind die Väter (2) – Rainer

Einige Gedanken zu “Hier sind die Väter (3) – Claus

  1. Petra Plaum

    Danke dafür, dass du mir (3 Geburten vor Einführung von Elterngeld & Vätermonaten & Krippenplätzen) ein bisschen von den Illusionen über die schöne, neue Elternwelt nimmst. Weiterhin gute Zeiten mit dem Nachwuchs! Dranbleiben lohnt sich – auch in Schulfrust & Pubertät, gerade dann!

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