Deutlich sein

Blogger für FlüchtlingeMillionen Menschen sind auf der Flucht, sie fliehen vor Hunger und Bürgerkrieg. Zehntausende überleben die Flucht nicht.  Und wenn doch, treffen sie in Deutschland auf eine leise und breite Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität, während auf der Straße einige wenige lautstark – und umso vernehmlicher – gegen die neuen Nachbarn demonstrieren.

Denen möchte ich entgegentreten. In aller Deutlichkeit.

Findet einen anderen Weg, mit Verletzungen aus 25 Jahren oder 40 Jahren oder 50 Jahren eigener Geschichte und Biografie umzugehen. Ja, wir haben vor 25 Jahren ein ganzes Land verschluckt, wir haben in einem 1000-seitigen Vertrag von der Lebensrealität von Millionen Menschen nur wenig mehr stehengelassen als die Tatsache, dass die Sonne im Osten aufgeht. Wir haben alles andere mit einem Handstreich vom Tisch gewischt. Wir haben den neuen Ländern, den Menschen dort, nur einen Handbreit politischen Raum gelassen, und keinen Beitrag zur eigentlich gemeinsamen Verfassung akzeptiert. Wir haben ihre 40-jährige Identität mit dem Einigungsvertrag zerknickt. Wir sind davon ausgegangen, dass sie alle Deutsche sind (aber wir deutscher), und alle glücklich darüber sein müssen, dass die Mauer weg ist. Wir sind davon ausgegangen, dass das, was wir zu bieten haben, sowieso das Bessere ist, einfach nur, weil es schöner glänzt und farbiger ist. Wir dachten, weil so viele aus dem ummauerten Land geflohen sind, wollen alle aus dem Land hinaus, wir haben es Abstimmung mit den Füßen genannt. Dass diejenigen, die im Land geblieben sind und auch dort ihre Freiheit riskiert haben, um politische Veränderungen zu erreichen, ganz andere Gefühle haben, wenn ihre Mitstreiter (oder ihre Mitbürger) sich für die Flucht entschieden haben, wird heute deutlich, wenn viele immer lauter sagen, dass es nicht diejenigen waren, die getürmt sind (ein ganz anderes Wort als geflohen), die ’89 „wir sind das Volk“ gerufen haben.
So wird erklärbar, dass wir immer wieder lesen und hören, die Flüchtlinge sollen zuhause bleiben und dort etwas verändern, wenn sie Veränderung wollen.
Dass dabei zwei vollkommen verschiedene Lagen verglichen werden macht umso klarer, wieviel Emotionen im Spiel sind. Verletzung darüber, dass die eigene politische Leistung nicht mehr erzählt wird. Dass nach 25 Jahren niemand mehr die Protagonisten kennt. Aber vor allem darüber, dass niemand, weder die Politik noch die Öffentlichkeit, noch die Literatur noch die Medien – niemand – die Anpassungsleistung derjenigen anerkennt, die wir vor 25 Jahren an den Westen angedockt haben. Manche von ihnen ohne dass wir sie je gefragt hätten, das darf nicht unter den Tisch fallen.

Politische Haltungen haben ihre Wurzeln in den Echoräumen biografischer Erfahrungen, sie fallen nicht von den Bäumen. Was wir aber bisher nur zugelassen haben, sind die Erzählungen der Protagonisten des intellektuellen Widerstandes. Wir haben von Schriftsteller*innen gehört, von Aktivist*innen. Kein Buchpreis ohne DDR – einem Teil davon aber nur.

Darum: wenn wir wollen, dass in diesen Tagen Geflüchtete in Deutschland sicher aufgenommen werden können, und es führt kein Weg daran vorbei, dann müssen wir alle zusammen dafür sorgen, dass aus dem westlichen „Wir“, das seit 25 Jahren eine sehr dünne Decke über die ostdeutschen Länder gelegt hat, ein richtiges „Wir“ wird, mit allem, was dazugehört. Auch mit der Anerkennung der Verletzungen und Brüche des Gegenübers, selbst dann, wenn sie entstanden sind, weil wir dachten, wir tun das Richtige.

Die Regierung darf nicht länger schweigend zusehen. Sie muss sich klar positionieren und deutlich machen, für welche Werte wir alle zusammen stehen. Sie muss für Identifikationsmöglichkeiten sorgen und für ein Zugehörigkeitsgefühl zu diesem Land, das in den letzten 25 Jahren nicht überall gewachsen ist. Sie muss deutlich machen, wie schwer der Weg für viele gewesen sein muss – und wie unendlich komplex und aussichtslos die Situation für Menschen ist, die um ihr Leben rennen mussten und ihre Familien verloren haben oder zurücklassen mussten.

Sie muss in aller Deutlichkeit klarmachen, was uns ausmacht: Mitgefühl und Solidarität. Sie muss klarmachen, dass wir die Kapazitäten haben. Dass wir niemanden abweisen werden, der unsere Hilfe braucht. Wenn nicht diese Regierung, wer dann?

Wir alle können dem ein wenig nachhelfen, indem wir unsere Stimme erheben. Und zwar nicht in den sozialen Medien, nicht erst bei den nächsten Wahlen, sondern gleich in der nächsten Mail an unsere Abgeordneten. Bitte tut das, sofort. Damit nicht die wenigen, lauten gehört werden, sondern wir alle. Die Abgeordneten finden sich hier, nur einen Klick entfernt. https://www.bundestag.de/abgeordnete

 

[Update]:

a) schon im Juli hat Susi Ackstaller einen Text geschrieben und Blogger*innen gebeten, sich deutlich gegen den Hass auf die Flüchtlinge zu stellen, sie hat dort Links zu weiteren Beiträgen gesammelt und aktualisiert sie nach wie vor laufend.

b) sehr viele gute Texte zum Thema sind unter dem hashtag #bloggerfuerFlüchtlinge zu finden. Initiiert wurde die Aktion von Paul Huizing, Karla Paul, Nico Lumma und Stevan Paul. Es werden aber nicht nur Texte gesammelt, sondern auch Spenden, in erster Linie ganz konkret für den Verein „Moabit hilft“ [inzwischen ist aber so viel Geld zusammengekommen, dass das Geld bundesweit verteilt werden kann].

Hier der Link zur Spendenbeschreibung, und hier eine Auswahl der bisher erschienenen Beiträge zum Thema, teils (wie meiner, der deswegen dank einiger update-Runden ein wenig geflickt daherkommt) auch unabhängig vom hashtag entstanden:

(1) Literatourismus

(2) omnipolis

(3) junaimnetz mit „Kelly“

(4) Kaiserinnenreich mit „was ich nicht weiß“

(5) Pausanias mit „250 kg Sand“

(6) Der Initialtext von Paul Huizing

(7) Karla Paul – Buchkolumne

(8) Nico Lumma

(9) Denkzeiten mit „Ich bin ja kein Rassist, aber…“

(10) Stevan Paul

(11) Joe Dramiga mit „Nennt ihre Namen!“

(12) mama notes [mit sehr vielen neuen links! immer wieder reinschauen lohnt]

(13) Annette Schwindt mit „Mensch!“

(14) Zeilenkino

(15) Volker König mit „Der hässliche Deutsche“

(16) Christian Dingler mit „An Euch besorgte Bürger“

(17) pinkfisch mit „Etwas tun. Etwas bewegen.“

(18) formschub mit „Heimat, das sind Menschen“

(19) fraufrauchen

(20) Der Kaffeehaussitzer mit „Blogger für Flüchtlinge“

(21) Kerstin Hoffmann mit „Wir Weltbürger und Flüchtlingskinder“

(22) Hedoniker

(23) Thorsten Ising mit „Aufstehen.Helfen.Auflehnen“

(24) Jan Gleitsmann mit #bloggerfuerfluechtlinge“

(25) Muromez mit „20 Mark und sonst nichts“

(26) fraumeike mit „Die Sonne der eigenen Anständigkeit“

(27) family4travel mit „Unsere Begegnungen mit Flüchtlingen in Kroatien, Bosnien und Kosovo“

(28) SchöneSeiten  mit „Stichwort: Liebe“

(29) Steffis Bücherkiste mit „Empört Euch!“

(30) Bücherwurmloch mit „Refugees welcome“

(31) Rosas Welt mit „Kinder dieser Erde“

(32) Chaoshoch2 mit #bloggerfuerflüchtlinge

(33) Blogprinzessin mit „Mama, wieso gibst du die Winterstiefel anderen Menschen?“

(34) Katrin Roenicke mit „Bloggen für Flüchtlinge“

(35) Hilliknixibix mit „Und während ich das hier schreibe“

(36) WIRED Germany mit einem Interview mit Karla Paul (27.08.)

(37) Perlenwelt mit „Mama, warum hast du nichts getan?“

(38) JesSi von feiersun mit „Gemeinsam stark sein“

(39) Sven Ademi auf medium.com mit „Der Kreis schließt sich“

(40) Circus Halligalli mit dem Videostatement #mundaufmachen

(41) bookwives mit „Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe“

(42) sillylittlewebsite mit einem weiteren Aufruf, mitzumachen.

(43) eat this mit „Wir müssen mal etwas loswerden“

(44) Arthurs Tochter kocht mit „Du kannst musst helfen!“

(45) mem-o-ries mit „Es reicht!!!“

(46) Hamburg kocht mit „Blogger für Flüchtlinge oder: Patriotische Esser Gegen die Islamisierung Der Alimente*“

(47) rosegraden-mag.de mit „Flüchtlinge in Berlin – Ein Tag im LaGeSo“

(48) Anke Domscheit-Berg mit „Auch ich bin eine Flüchtlingstochter“

(49) Projektbeschleunigerinnen mit „Zwischen Babystramplern und einem Haufen von Kinderschuhen“

(50) Familieberlin mit „Wie weit reicht deine Nächstenliebe?“

(51) Flavius und Brutus mit „Spielen mit Flüchtlingskindern“

(52) Edelfrosch mit „Refugees welcome“

(53) Emma und Lukas mit „Ich bin kein Nazi, aber…“

(54) Nordhessenmama mit „Die Zeltstadt vor unserer Haustür“

(55) Micha-morethanwords mit „Berühungsängste überwinden“

(56) notetoherself „Ohne Smartphone? Please.“

(57) Peter Vonnahme (ehemaliger Asylrichter) mit „Vorboten einer neuzeitlichen Völkerwanderung“

(58) Drehen und Wenden mit „Was ich Donnerstags mache“

(59) Johannes Mirus mit „Blogger für Flüchtlinge“

(60) lustauflesen mit „Menschen für Menschen“

(61) 2KindChaos mit „Warum Flüchtlinge uns nicht überlasten“ und mit „und was, wenn es dich treffen würde?“

(62) Terrorpüppi mit „In so einer Welt sollst du leben“

(63) MamasMäuse mit „Mama, was sind Flüchtlinge?“

(64) Nieselpriem mit „Zeig dein Gesicht“

(65) Andrea-Harmonika mit „Könisgberger Klopse“

(66) Glucke und so mit „Wenn morgen nichts mehr da wäre“

(67) Große Köpfe mit „ich sage Möp“

(68) Frische Brise mit „Blogger für Flüchtlinge“ (und ihren eigenen Erfahrungen 1989 in Berlin)

(69) Pia Drießen mit „machen, statt immer nur reden“

(70) cozy-and-cuddly mit „jeder macht, was er am besten kann“

(71) maara mit „Jetzt reicht’s! Laut werden“

(72) breit.flach.schnell mit „heute mal nichts digitales“

(73) bullshit mit „bloggerfürflüchtlinge“

(74) averyverganlife mit „refugees welcome“

(75) germanabendbrot mit „Arsch huh, Zäng ussenander!“

(76) gewünschtestesWunschkind mit „Wie wir das vierte Reich verhindern“

(77) davednb.köln mit „Blogger für Flüchtlinge“

(78) Wolfgang Schnier mit „Musik für Millionen“

(79) Sozial PR mit „Warum schweigen (für mich) keine Lösung ist“

(80) aussteigen bitte mit „Deutschland, bald brech ich“

(81) kuschelkirche mit „wir sind eine Welt“

(82) portionsdiät mit „Geflüchtet – und aufgenommen oder abgelehnt“

(83) sabienes mit „Flüchtlinge in Deutschland“

(84) aus meinem Kochtopf  mit „Was bekommen Asylbewerber?“

(85) runzelfüßchen mit „Erfahrungen am LaGeSo“

(86) wordwire mit „Willkommen in Deutschland“

(87) aroundmylittleworld mit „Wir engagieren uns“

(88) Blumenpost mit #bloggerfürflüchtlinge

(89) Mamamania mit „Flagge zeigen und helfen“

(90) Thomas Mielke mit „Es macht mich wütend und traurig“

(91) frauktose mit „Opa auf der Flucht“

(92) bucketrides mit „hhhilft – oder: Sieben Schnacks für mehr Menschlichkeit“

(93) 30rockt mit #bloggerfürflüchtlinge

(94) Snoopsmaus mit „ich schäme mich, ein Sachse zu sein“

(95) reading and dreaming über Dankbarkeit

(96) verdachtsmoment mit „Fremde nicht mögen ist hier Mannschaftssport“

(97) mamadenkt mit #bloggerfürflüchtlinge

(98) lesen, leben, lachen mit „Pragmatische Flüchtlingshilfe“

(99) Professional Fangirl mit „Armes Deutschland“

(100) living-memory mit „Wenn Nachrichten Angst machen“

(101) esel unterwegs mit „Naziland ist überall“

(102) Dominika mit „Niesamowita akcja niemieckich blogerów na rzecz uchodźców“

(103) Wally44 mit „BloggerFuerFluechtlinge“

(104) der Sprachlose mit „Widersprechen“

(105) niciandthegoodlife  mit „Menschen helfen Menschen“

(106) bananenrepublik mit „Blogger für Flüchtlinge“

(107) myhatismissing mit „Ein bisschen mehr Connewitz bitte“

(108) dieamy mit „Die Menschen, die wir Flüchtling nennen“

(109) Herr Rau mit „Flüchtlinge“

 

17 Gedanken zu “Deutlich sein

  1. Fleurisse

    Inhaltlich volle Zustimmung. Allerdings sage ich laut NEIN zur Begründung, Rechtfertigung die Nazis unterstellt wird.

    Ich widerspreche vehement gegen den ersten Absatz! Das ist Geschichtsfälschend. Der Beitritt wurde durch eine Wahl entschieden an der nur *DDR* Bürger teilnehmen durften. Sie und meine Mitbürger wollten KOhls „Handstreich“

    Alle, die ich kenne und kannte wollten diesen Beitritt nicht. Zwei Staaten mit engster Verbindung, ja. Vereinigung mit einer Wahl in beiden Staaten: ja.

    Eine „Anpassungsleistung“ mussten alle leisten. Auch die, die keine Wahl hatten.

    Es wäre schön, wenn man die Augen nicht verschließt vor der Tatsache, dass es KEINERLEI Grund, Rechtfertigung, Erklärung gibt für Gewalt gegen andere.

    1. Pia Ziefle Artikel Autor

      es gibt keine Entschuldigung – aber es gibt die Gewalt. Wir müssen hinsehen, wo sie herkommen kann, nur dann haben wir eine Chance.

  2. Ck

    Guter Beitrag!
    Wie find ich denn die email von meinem Abgeordneten? Gibt es da eine Liste, oder muss ich suchen? Suche gerne, aber wenn es einen link gaebe, waere das einfacher.

  3. Hans-Jürgen

    Verehrte Frau Ziefle,

    ich habe Hochachtung vor einem Denken, das Texte wie diesen, Ihren hervorbringt.

    Nur fürchte ich, dass Sie gedankliche Tiefe verorten, wo nach meiner Anschauung Neid und Missgunst vorherrschen. Denn Neid und Missgunst finden wir auch in jenen Landstrichen westlich der Demarkationslinie, wo ebenfalls die Unterkommenden angebrüllt oder die Unterkünfte abgefackelt werden. Und das werden dort ja nicht ausschließlich „Ehemalige“ sein …?!

    Aber ja: Die obwaltende Verständnishaberei mit Brandstiftern, Körperverletzern und weiteren Gesetzesbrechern steht mit bis hier.

    1. Pia Ziefle Artikel Autor

      Neid und Missgunst haben ganz ähnliche Wurzeln: Angst. Der eine Teil des Landes hat erlebt, wie ein Alltag von einem Tag auf den anderen verschwinden kann. Im anderen Teil des Landes gibt es ebenfalls heftige Umbrüche, z.B. Arbeitslosigkeit, weil ganze Branchen dichtgemacht haben und Arbeitsoplätze ins Ausland verlegt worden sind. Worauf ich hinauswill: wir müssen verstehen, von was sich Angst, Neid, Missgunst nährt. Damit wir dem entgegenwirken können.

    2. Toc6

      Zustimmung zu Pias Kommentar bzgl. der Angst. Wir haben in Deutschland nicht nur den Osten „geschluckt“, wir haben auch noch etwas anderes gemacht. Wir haben Hartz4 eingeführt. Wir denken, Hartz4 sei eine Art Arbeitslosengeld, aber eigentlich ist es etwas anderes: Es konstruiert eine Abschaumklasse, auf die viele glauben, öffentlich herunterspucken zu dürfen. Hartz4 ist in wesentlichen Teilen ein Angst-System, das Menschen in ausbeuterischen Jobs hält, aber auch die generelle Angst anfacht, die in einer Wirtschaftswelt nicht ausbleibt, wenn man nicht mehr von der Lehre bis zur Rente in einem Betrieb bleiben kann.

      Es gibt natürlich auch einen anderen Weg, damit umzugehen: Solidarisch sein. Diejenigen unterstützen, die am unteren Ende dieser eingerichteten Skala sind. Zum Glück passiert das langsam ja auch zunehmend – bei den Flüchtlingen, aber auch mit den Tafelläden und so weiter.

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  6. Kastanie

    Liebe Frau Ziefle, vielen Dank für diesen Beitrag und den Versuch, Erklärungen zu finden für die im Osten Deutschlands vielfach verbreitete offene Ablehnung gegenüber Flüchtlingen. Ich finde es auch wichtig, Ursachen für Angst und Neid zu kennen, um diesen wirksam entgegen wirken zu können. Es geht nicht darum zu entschuldigen sondern zu verstehen. Es gibt gerade in der älteren Generation im Osten sehr viele verbitterte Menschen, deren Kompetenzen nach der Wende auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht wurden und die sich oft mit Jobs unterhalb ihrer Qualifikation durchschlagen mussten. Diese Menschen blicken voller Neid auf Flüchtlinge, die angeblich alles geschenkt bekommen. Dazu kommt die Erfahrung der geschlossenen DDR-Gesellschaft, aus der niemand raus kam aber in die auch kaum jemand rein kam. Kontakte zu Ausländern wurden von staatlicher Seite generell argwöhnisch beobachtet. Ausländische Arbeitskräfte, aus den sogenannten Bruderstaaten zum Beispiel, wohnten überwiegend in Wohnheimen, wo es kaum Kontakt zur einheimischen Bevölkerung gab. In vielen osteuropäischen Staaten kann man ja diese starken Ressentiments gegenüber Fremden ebenso beobachten.

  7. Pingback: Gesellschaft der Angst | Über den Kastanien

  8. Horst Schulte

    Politische Haltungen haben ihre Wurzeln in den Echoräumen biografischer Erfahrungen, sie fallen nicht von den Bäumen.

    Ein schöner Satz, den ich voll und ganz unterschreibe.

    Allerdings komme ich mit dem Grundtenor Ihres Artikels nicht überein. Nicht deshalb, weil ich Ihre Beschreibung der Umstände, unter denen Menschen zu ihren Sichtweisen kommen, nicht nachvollziehen könnte. Nein, das Bild ist für mich deshalb nicht stimmig, weil es Rassismus und Fremdenfeindlichkeit selbstverständlich im Westen unseres Landes genauso gibt.

    Es mag also berechtigt sein, den Ostdeutschen anhand ihrer Biografie eine Anfälligkeit für Fremdenfeindlichkeit zu attestieren. Aber es greift in meinen Augen zu kurz.

    Mich erschreckt es, wie schnell und auch wie gewaltig die Polarisierung unserer Gesellschaft beim Thema Flüchtlinge „vorangekommen“ ist. Es zeigt sich, dass wir unter uns viel zu wenig Brückenbauer haben. Brückenbauer sind nötig, um die Situation bewältigen zu können.

    Im Moment sieht es leider aber so aus, dass die Politik fieberhaft nach Wegen sucht, die Misere in den Griff zu bekommen (ich sage bewusst Misere, weil ich das Gefühl habe, dass viele Politiker die Lage in den internen Zirkeln so beschreiben würden). Das erinnert so stark an die 90er Jahre. Damals wurden die Flüchtlinge aus Rostock weggebracht und das Asylrecht massiv zurückgestutzt (Ein Grundrecht!). Das darf auf keinen Fall wieder geschehen.

    Warum wird Frau Merkel, die aus dem Osten stammt, von ihren „Landsleuten“ so behandelt, wie es bei ihrem Besuch in Heidenau zu sehen und zu hören war? Man mag von der Bundeskanzlerin nicht viel halten. Aber welches Recht nehmen sich Menschen heraus, Politikern, die ihre ganze Kraft für uns einsetzen (nicht, ich bin nicht naiv, ich klinge nur so) vorzuhalten, sie seien Landesverräter. Ähnlich mies gehen wir im Westen mit Gauck und mit Merkel um. Da unterscheiden wir uns nicht wirklich sehr voneinander.

    Ihr Artikel hat mir trotz diesem Dissens gut gefallen. Er hat meinen Horizont erweitert. Danke dafür.

    Viele Grüße
    Horst Schulte

  9. Pingback: Politisch sein | Pia Ziefle | Autorin

  10. Sanny

    Es ist über den Flüchtlingsstrom schon viel gesprochen und auch ich sage NEIN zur Aussage, wir Deutschen wären NAZIS. Die Verteilung der Neuankömmlinge geht die gesamte EU an. Es gibt nicht nur DEUSCHLAND SONDERN AUCH ENGLAND, FRANKREICH u.s.w. Wir sollten uns ein Beispiel an die nördlichen Staaten wie Norwegen oder Schweden nehmen, die bereits während des NS-Regimes Flüchtlinge und besonders KINDERN eine neue HEIMAT gegeben haben.

  11. Pingback: #bloggerfuerfluechtlinge – Glück | Schnauze, Lübke!

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