10 Fragen – 10 Antworten mit Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter ist die wahrscheinlich bekannteste Buchhändlerin in meinem Internet, ihr Lesefieber begegnet mir zuverlässig auf allen Kanälen, und als ich gehört habe, dass sie nicht nur online Bücher bespricht und empfiehlt, sondern ein eigenes Veranstaltungsformat dazu entwickelt hat, das „lesefieber on tour“, da war meine Neugier geweckt. Wie macht man das? Wie sieht so ein Abend aus? Wie sucht sie sich ihre Bücher dafür aus? – und ich freue mich sehr, dass sie meine Fragen so toll beantwortet hat. Vielen Dank!

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Foto: Thomas Wüthrich

1) Autoren gehen auf Lesefahrten um aus ihren Büchern zu lesen – du aber bist Buchhändlerin und gehst ebenfalls auf Lesefahrten, wie ist das denn dazu gekommen?
Das war ein feiner Zufall, vor über zehn Jahren besuchte ich eine Weiterbildung zum Thema Neuerscheinungen präsentieren, dort war eine ältere Buchhändlerin aus dem Raum Zürich welche seit Jahrzehnten eine kleine, feine Buchhandlung führt, und sie fand meine Präsentation herausragend. Später fand mich diese Buchhändlerin wieder im Netz und meinte spontan, sie möchte einen Anlass machen mit mir. So war dann der Stadtkeller gebucht und ich reiste recht aufgeregt nach Zürich und da klatschten gut fünfzig Leute voller Begeisterung, nur weil ich ihnen meine Bücher vorgestellt habe. Ich müsse das unbedingt anbieten, meine Präsentationen, diese Worte der erfahrenen Kollegin habe ich im Herzen behalten und umgesetzt, so ist „lesefieber on tour“ geboren.

2) Kannst du einen typischen Lesefieber-Abend beschreiben?

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Typisches gibt es tatsächlich an so einem Abend. Es beginnt sogar schon am Vorabend, da backe ich nämlich irgend etwas zu einem Buch passendes, das freut die Leute und nimmt mir meine Nervosität. Auf der Reise im Zug gehe ich alle meine Buchtitel noch einmal in Ruhe durch, ich habe dazu als Grundlage meine Besprechung aus dem Netz und Handnotizen zum jeweiligen Abend. Ich bin mit meinem Kopf immer völlig in den Bücherwelten und es ist immer ein Abenteuer, gut anzukommen am richtigen Ort. In falsche Züge steigen oder Rindviecher auf der Strecke, mein Reisen ist meist turbulent. Angekommen brauche ich Zeit für den jeweiligen Ort, muss ankommen, die Bibliothekarinnen, meine Hauptkundschaft sind immer gespannt auf mich, wenn sie mich denn noch nicht kennen. Ich denke jedes Mal, dass ich sicherlich völlig kurios wirke, nervös herumtigernd, oder auch mal freche Sprüche klopfend. Sicher hat schon manch eine Auftraggeberin gedacht: „Oh mein Gott, was habe ich da bloss engagiert …“. Aber dann treffen die Gäste ein, es waren schon einmal nur 8 Stück in einem Pfarrstübchen, an einem anderen Anlass gut 70, ich freue mich immer und dann, wenn ich loslegen darf, sprudeln diese 12 bis 16 Buchtitel einfach aus mir heraus. Das Publikum muss bei mir schon auch einmal Turnen oder eine Frage beantworten, es hat auch schon geknallt vor den ersten Stühlen und eigentlich ist immer ein bisschen was los. Das Schönste für mich ist es, in Augenpaare zu schauen, welche strahlen, oder auch einmal recht nahe am Wasser angelangt sind.

3) Du hast in 2011 damit begonnen und bist auch in diesem Jahr mehr oder weniger ausgebucht. Was für Orte suchst du dir aus, um sie zu bereisen?
Die Orte kommen zu mir, dieses Jahr gibt es Bibliotheken, welche mich bereits zum vierten Mal gebucht haben, das finde ich natürlich einfach richtig bezaubernd. Ab und zu gibt es aber auch die ungewöhnlicheren Dinge, wie etwa einen Firmenanlass gestalten zu dürfen oder eine Geburtstagsfeier, ich bin für alles zu haben. Kürzlich durfte ich für die Volkshochschule einen Kursabend zum Thema Bilderbuch gestalten, das war einmal etwas ganz neues und es hat mir riesige Freude bereitet.

schloss_meggenhorn_034) Was für ein Publikum ist das, das nicht nur für eine*n spezielle*n Autor*in kommt, sondern zu einem Abend, an dem 10, 12 oder mehr Bücher vorgestellt werden, hast du Themen, nach denen du deine Bücher aussuchst?
Ich bringe brandneue Belletristik in die Bibliotheken und achte darauf, alle Genres zu bedienen. Ich habe aber auch schon Abende gestaltet nach einem bestimmten Thema, und auch diesen Herbst darf ich dann genau das tun, zum Thema Länder und Reisen in den Romanen.

5) Was für Bücher sind das denn, die für dich in Frage kommen für einen solchen Abend? Den 1500-Seiter – kann man den auch vorstellen in so einem Rahmen?
Oh ja, man kann und soll, aber es ist schon so, dass es solche Wälzer generell eher schwerer haben. Ich beachte auch hier, ein wenig von allem, die meisten Titel sind aber so um die 200- 300 Seiten lang. Es darf ein Bestseller mal mit, aber natürlich immer ein paar rarere Titel auch.

6) Das weiße Bänkchen – ich habe das schon ein paar Mal gesehen, wenn ich Bilder gesehen habe vom Lesefieber – was hat es damit auf sich?
Das weiße Bänkchen erhascht Aufmerksamkeit, es kommt noch nicht lange mit mir mit, es hat genaugenommen mit meinem Tempo zu tun und, ich gebe es unumwunden zu, mit meinem Jahrgang, welcher mir in diesem Jahr eine runde Zahl beschert. Diese Zahl, die sticht mich ein ganz ein klein wenig, ich glaube, sie hat Macht über mich. Ich bin immer eine Vollgasfrau und plötzlich habe ich so kleine Wehwehchen, welche mir nicht ins Programm passen. Das Bänckchen ist also rein für mich, meine Bücher dürfen auch mal Platz nehmen und ich alles etwas gelassener und vor allen Dingen mit Humor.

7) Du denkst dir für deine Abende jeweils ein Motto aus, das finde ich allein schon großartig, aber ich weiß auch, dass du darüber hinaus noch sehr viel mehr Liebe in deine Abende steckst, zum Beispiel hast du einmal einen Kuchen gebacken aus einem gewissen Buch… Was für Überraschungen können deine Gäste noch erwarten – falls ich danach fragen darf?
Liebe Pia, du darfst, dein Zuckerkuchen ist gut angekommen übrigens! Ich habe ja schon vieles verraten, vielleicht hier noch das Grandioseste: Ab und zu darf ich einen Autor im Publikum verstecken und ihn dann aus dem Hut zaubern und noch signieren lassen. An einem solchen Abend ist dann natürlich das Glück perfekt. Sehr bewegend war das im letzten Jahr, da habe ich einen Gedichtband von einem jungen syrischen Autor vorgestellt, Nasmi war im Publikum und hat für uns dann noch auf arabisch gelesen.

bibliothek_wettswil_028) Wie kann man dich denn buchen?
Nehmt mit mir Kontakt auf! Auf meinem Blog http://www.lesefieber.ch das Kontaktformular nutzen, einfach eine Mail schreiben, wer mag, gerne auch schon mit Wunschterminen. Den Tourplan kann man auch einsehen sowie auch mein Honorar. http://www.lesefieber.ch/on-tour/

9) Kommst du auch einmal nach Deutschland mit deinem höchst ansteckenden Lesefieber? (Das wäre toll!)
Oh, das wäre natürlich ein Traum, ein großer, ich würde das sofort machen! Ich trage hier in der Schweiz natürlich in Berndeutsch meine Lieblinge vor und alleine meine Mundart wird gerne gehört, in Deutschland würde ich natürlich deutsch sprechen, welches garantiert einen herrlichen schweizer Einstich hätte, das würde sicherlich auch amüsant werden …

10) Letzte Frage: hast du denn unter den Büchern, die mit dir auf Tour sein dürfen, einen momentanen Liebling, den du mir und uns ans Herz legen möchtest?
Einen? Unmöglich! Auf lesefieber.ch habe ich meine Allerliebsten mit der Wertung 9/10 beisammen, aber das ist einfach nur meine ganz persönliche Wertung. http://www.lesefieber.ch/?s=9%2F10

 

Einige Gedanken zu “10 Fragen – 10 Antworten mit Manuela Hofstätter

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